7 Tipps zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit in der Lieferkette während der Covid-Pandemie

Einige Monate sind seit dem Ausbruch des Virus in Europa vergangen und es scheint, als ob eine ganze Epoche vergangen ist. In den letzten Monaten mussten wir uns an  eingeschränkte physische Freiheiten gewöhnen, Produktionsfirmen wurden von Schließungen und Auftragseinbrüchen betroffen.

Für die kommenden Monate gibt es nun mehrere mögliche Szenarien: zum einen eine rasche Rückkehr zur Normalität, nach einem signifikanten und dauerhaften Rückgang der Ansteckungen und einer Zunahme des Konsumverhaltens der Kunden, zum anderen ein weiterer Anstieg der Ansteckungswelle, mit dem Risiko einer teilweisen Schließung einiger Märkte, um die Zahl der Ansteckungen zu verringern. Diese Ungewissheit macht es momentan unmöglich, das Ausmaß und die verschiedenen möglichen Zukunftsszenarien richtig zu erkennen.

Je nach Branche  wird sich diese Situation weiterhin unterschiedlich auswirken: Einige Unternehmen werden einen anhaltenden Nachfragerückgang verzeichnen, andere nur vorübergehend, wieder andere können diese neue Realität nutzen, um ihren Umsatz sogar zu steigern.

Eine Tatsache allerdings wird in den kommenden Monaten immer bedeutender werden: Agilität. In der Regel sind in komplexen Lieferketten verschiedene Akteure und ein hohes Maß an Dynamik vorhanden, sowohl auf der Beschaffungs- als auch auf der Lieferantenseite.

 

Nachfolgend einige Hinweise, um dieser neuen Situation mit den richtigen operativen Maßnahmen begegnen zu können:

  1. Lieferketten den veränderten Bedingungen anpassen

    In den nächsten Monaten werden Bedarfe und Nachfragen nicht den bekannten Logiken folgen, sondern von der Entwicklung des Virus im jeweiligen Markt abhängig und dadurch unterschiedlich sein. Es ist wichtig, das zu erkennen und Möglichkeiten zu finden, die Lieferkette den veränderten Bedingungen anzupassen. Das bedeutet über die gesamte Lieferkette erhöhte Agilität, flexible Organisation und Reaktionsfähigkeit.

  1. Das richtige Produkt – am richtigen Ort – zur richtigen Zeit

    Die Erstellung von Kundenprofilen, die Erstellung verschiedener Servicelinien und die Festlegung von Allokationsregeln ermöglichen es, die Kunden zu priorisieren, die in Bezug auf Umsatz, Pünktlichkeit der Zahlungen oder Marge dem Unternehmen den größten Nutzen bringen. Unternehmen können ihre Flexibilität erhöhen, indem sie eine Entkopplung zwischen Liefer- und Absatzkette vornehmen und die Phase der Warenzuteilung so spät wie möglich auf die verschiedenen Kanäle und/oder Märkte verlagern. Dieser erste Schritt muss mit einem dynamischeren und simulativeren Allokationsprozess in Einklang gebracht werden: proaktives Simulieren von Problemlösungen und damit früheres Eingreifen. Der Zuteilungsprozess sollte deshalb nicht nur die vorhandenen Bestände, sondern auch die bereits zugeteilten und zukünftigen Produkte berücksichtigen.

  1. Flexibilität bei Bestandsplanung und Nachfrageänderungen

    Wenn möglich, sollten Distributionszentren zu leistungsfähigen Lagern werden, um Schwankungen in letzter Minute abzufangen. Im Einzelhandel werden die Läden zunehmend selbst zu logistischen Drehscheiben, die in der Lage sind, die aus verschiedenen Kanälen kommende Nachfrage zu befriedigen. Die Verbesserung der Flexibilität bei der Bestandsplanung (Größenbestimmung, Parameter, Simulationen und Trends) in Bezug auf Nachfrageänderungen und die Vermeidung von Stock-out- oder Überlagerungsrisiken sind wichtige Faktoren. Dies muss durch Anwendung verschiedener Bestandsverwaltungsmodelle und -richtlinien entsprechend den Produktfamilien und deren Segmentierung (Bestseller vs. Ladenhüter) erreicht werden, um Flexibilität bei der Bewertung der Auswirkungen zu ermöglichen, wenn Kundenaufträge verschoben werden.

  1. Punktgenaue Analysen und Entscheidungen

    Unternehmen benötigen dynamische Werkzeuge, die es ihnen ermöglichen, mit Hilfe von Was-wäre-wenn-Szenarien häufig umzuplanen. Der Planungsprozess für begrenzte Kapazitäten wird alltäglich und ermöglicht, kritische Probleme durch regelmäßige Analysen und Entscheidungen zu managen. Die Lösung der Kapazitätsprobleme wird durch den Einsatz zusätzlicher Produktionsleistungen, temporärer Faktoren und einer täglichen bedarfsgerechten Verteilung erreicht werden. Beispiele für Agilität sind Möglichkeiten zur Anpassung von Arbeitsschichten, die Nutzung alternativer Anlagen/Ressourcen auf Grundlage von Kosten-Nutzen-Analysen, der maximal mögliche Bestandsaufbau/Vorleistung unter Einhaltung von Bestandswerten oder maximale Lieferverzögerungen/Verspätungen unter Beachtung der Einhaltung des geplanten Serviceniveaus.

  1. Strukturierung der  Zusammenarbeit

    Die Strukturierung eines prosperierenden Geschäftsprozesses bedeutet die Zusammenarbeit verschiedener Unternehmensbereiche, die Integration von Daten aus verschiedenen Quellen/Systemen und die Bereitstellung zweckdienlicher Informationen zur Unterstützung des Entscheidungsprozesses auf Grundlage von KPIs, Alarmen und Ereignissen mit hoher Auswirkung. Die Remote-Zusammenarbeit ist im Moment sehr aktuell und kann nicht auf die Verwendung von Tools für Online-Meetings reduziert werden. Die eigentliche  Herausforderung besteht darin, Prozesse zu strukturieren, die die Weiterleitung von Informationen, die für die Entscheidungsfindung nützlich sind, „just in time, just enough“ ermöglichen und somit über die Grenzen klassischer Kollaborationstechnologien wie Telefon/E-Mail hinausgehen.

  1. Einbindung von Lieferanten in den Prozess

    Die Einbeziehung wichtiger Lieferanten sowie von Rohstoffen mit langen Lieferzeiten erhöht die Reaktionsfähigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette. Über die Einkaufspläne hinaus ist es von grundlegender Bedeutung, einen kooperativen Ansatz mit den Lieferanten zu verfolgen und den Produktionsplan mit der Kapazität und allen anderen zuvor verifizierten kritischen Punkten zu synchronisieren. Das ermöglicht die Verbesserung des Prozesses der Nachbestellungen: Die Einkaufsabteilung ist in der Lage, ungedeckten Bedarf rechtzeitig zu erkennen, zu visualisieren und neue Bestellungen in der richtigen Menge und zum richtigen Zeitpunkt zu platzieren. Mahnungen können dann gezielt versendet werden, wenn wirklich kritische Aspekte festgestellt wurden, so können die Lieferanten ihre Aufmerksamkeit und ihre Prioritäten auf konkrete Fälle fokussieren und sich an neue Bedingungen anpassen.

  1. Einbeziehung des Management-Teams

    Ein Unternehmen kann nur dann wirklich agil und flexibel  werden, wenn das Management-Team einbezogen wird und den Prozess voll unterstützt. Der Wille zur Veränderung muss von allen Unternehmensbereichen getragen werden und jeder muss seinen Beitrag dazu einbringen. Wenn die Bereiche Beschaffung, Logistik, Produktion und Vertrieb diese Philosophie nicht gemeinsam unterstützen, wird die gesamte Logistikkette niemals reibungslos funktionieren und das Unternehmen wird sich nur mit Schwierigkeiten weiterentwickeln, wichtige Wettbewerbsvorteile auf dem Markt werden verloren gehen.

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